Weiße Straßen, kurze Nächte: Unterwegs mit dem Hallstadter Winterdienst

Sie rücken an, während die meisten noch schlafen: Die Männer vom Bauhof, wenn die Alarmierung zum Winterdienst erfolgt. Etwa 4:15 Uhr ist es, wenn sich der Schaudienstleiter bei nächtlichem Schneefall beim Einsatztrupp meldet. 45 Minuten haben die Arbeiter nun Zeit, sich im Bauhof der Stadt Hallstadt einzufinden und loszulegen – ihre Schicht im Dunkel der Nacht wird einige Stunden dauern und sie mehrfach durch das gesamte Stadtgebiet führen.

Am Anfang steht die Prognose

Freitag, 9. Januar 2026. Der Wetterbericht ließ am Abend zuvor schon erahnen, dass die kommende Nacht eine kurze werden würde. Für acht Mitarbeiter des städtischen Bauhofs klingelt an diesem Morgen bereits um kurz nach Vier der Wecker, beziehungsweise das Diensthandy. Schuld daran sind mehrere Zentimeter Neuschnee, die in den Stunden zuvor auf die Straßen der Stadt gefallen waren. In der Verantwortung des Schaudienstleiters lag es, den Winterdienst zu akquirieren und die Räumschicht in die Wege zu leiten. Immerhin konnten sich die Männer einigermaßen darauf vorbereiten, denn die Einteilung der Winterdienstbereitschaft wird in Hallstadt schon im Herbst vollständig für den Zeitraum von November bis März festgelegt – inklusive des Feiertagsdienstes rund um die Jahreswende.

Von morgens bis abends müssen die Verkehrswege der Stadt im Winter schneefrei sein – so will es die Verkehrssicherungspflicht des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes. Der Verantwortungsbereich der öffentlichen Hand beläuft sich dabei insbesondere auf städtische Straßen sowie Gehsteige und Radwege vor öffentlichen Gebäuden. Für das Räumen vor privaten Anwesen hingegen sind die Anlieger verantwortlich – werktags von sieben, sonn- und feiertags von acht bis 20 Uhr. Geregelt ist das unter anderem in der „Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und die Sicherung der Gehbahnen im Winter“, die sich die Stadt Hallstadt gegeben hat.

Die Route der Maschinisten ist immer dieselbe. Das Räumen verläuft nach klaren Vorgaben.

Ein fester Plan zum Abarbeiten

Im Bauhof angekommen, weiß jeder auf Anhieb, was er zu tun hat. Und so geht es pünktlich um fünf Uhr direkt los: Vier Fahrzeuge stehen bereit, in die nun jeweils ein Maschinist einsteigt, um den Schnee mittels Pflug von den Straßen zu befreien. Vier weitere Personen werden im sogenannten Fußtrupp eingesetzt, der sich um schmale Gassen, Brücken und verzwickte Ecken sowie um Gehsteige vor städtischen Gebäuden kümmert. Dick eingepackt mit Mütze und Handschuhen, bewaffnet mit Streugut, Schneeschaufel und Besen, geht es so Meter um Meter voran. Die äußeren Verhältnisse bei gefrierendem Regen und Temperaturen knapp um den Nullpunkt sind alles andere als angenehm und verlangen den städtischen Mitarbeitern, gerade bei nassem Schnee, einiges ab.

Jeder Trupp beginnt seine Schicht an einem anderen Fleck der Stadt. Möglichst zügig und effektiv soll es zugehen, schließlich geht es um die Sicherheit von mehreren tausend Menschen, die schon bald wieder im Stadtgebiet unterwegs sein werden. Die Verantwortung der städtischen Mitarbeiter ist groß, denn die Hallstadter Straßen sind hochfrequentiert. Das Streuen verläuft entsprechend nach festen Vorgaben: An erster Stelle stehen die am stärksten befahrenen Straßen, wie die Lichtenfelser Straße und die Landsknechtstraße. Aber auch Routen von Stadt- und Schulbussen haben hohe Priorität, ebenso das Berggebiet in Dörfleins, die städtischen Kindergärten, die Schule und alle öffentlichen Einrichtungen.

Pro Winter finden je nach Witterung etwa 250 Tonnen Streugut Verwendung, von denen rund ein Viertel unmittelbar in einem Silo im Bauhof gelagert wird. Mehrfach bedienen sich die Männer pro Einsatzschicht am Salzvorrat, um ihre Streufahrzeuge wiederaufzufüllen und weitermachen zu können. Der eisige Jahreswechsel hätte heuer beinahe für einen Engpass an Streugut gesorgt – glücklicherweise kam der ersehnte Nachschub aber gerade noch rechtzeitig in Hallstadt an, sodass weiterhin großflächig Winterdienst betrieben werden konnte.

Man hilft sich gegenseitig beim Auffüllen des Streugutes.

Die Tücken des Räumens

Leider gehen die Einsätze nicht immer reibungslos vonstatten. So müssen sich die Bauhofmitarbeiter mit ihren Räumfahrzeugen mitunter durch sehr enge Lücken zwängen, weil Autos von Anwohnern unglücklich geparkt worden sind. Oder aber ein großer Schneehaufen, der von einem Bürger vom Gehsteig bereits in Richtung Straße geschippt wurde, versperrt jetzt die kontrollierte Weiterfahrt. Anderenorts liegen gelbe Säcke so ungünstig, dass das Räumfahrzeug beim Queren der Stelle den gesamten Inhalt auf der Straße verteilen würde, anstatt diese von Gefahrenquellen zu befreien. Früh am Tag gilt es für die Männer dann, analog zu den Außentemperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren und für alles gewappnet zu sein.

In Windeseile sind die ersten Stunden des Einsatzes vergangen. Nun füllen sich die Straßen mit Autos, Fahrrädern, E-Scootern und Fußgängern, die ersten Bürger der Stadt sind unterwegs zur Arbeit oder gehen zur Schule. Erhöhte Vorsicht ist jetzt geboten, schließlich ist es noch immer ziemlich dunkel und nicht immer sind alle Verkehrsteilnehmer auf Anhieb gut zu erkennen. Dass einige Wenige mit Ungeduld und Unverständnis auf den Winterdienst reagieren, lassen die städtischen Arbeiter nicht an sich heran – zu wichtig ist die Aufgabe, die hier für die Allgemeinheit zu bewältigen ist.

Der Fußtrupp hat vor allem bei nassem, schwerem Schnee alle Hände voll zu tun.

Nach dem Einsatz ist immer vor dem Einsatz

Es ist 7:45 Uhr, als sich der erste Kollege per Telefon meldet: Er habe seine Route fürs Erste abgeschlossen und könne – im Bedarfsfall – nun an anderer Stelle mitunterstützen. Es erfolgt ein kurzer Austausch, wo noch geräumt werden muss. Außerdem wird der Fußtrupp informiert, an welchen Engstellen ein vollständiges Räumen diesmal nicht möglich gewesen war. So beginnen jetzt die Feinarbeiten, die bei erheblichen Schneemengen auch eine unmittelbare zweite Runde durch das gesamte Stadtgebiet mit sich bringen können – so auch an diesem Tag.

Die Nacht ist entsprechend längst dem Tag gewichen, als sich die Arbeit der Winterdienstler am späten Vormittag vorläufig dem Ende zuneigt. Mehrere hundert Kilo Streugut liegen jetzt auf den Straßen der Stadt – die städtischen Mitarbeiter haben ganze Arbeit geleistet. Es folgt zum Abschluss noch ein weiterer Blick auf die Wetterprognose: Schneit es weiter oder droht es glatt zu werden, so werden die Männer am Nachmittag direkt noch einmal rausfahren müssen – und womöglich noch ein drittes Mal am Abend, denn die Sicherheit der Bürger steht gerade im Winter über allem anderen.

Weitere Impressionen von der Arbeit des Hallstadter Winterdienstes finden Sie in Form eines Videos auf unserer Instagramseite sowie auf unserem Facebookauftritt.