Schwertransport auf vielen steuerbaren Achsen
Seit Mitte Juni 2026 ist die wichtige Verbindung über die A70 von Hallstadt in Richtung Bamberg gesperrt. Grund dafür ist der Ersatzneubau des bisherigen Brückenbauwerks im Zuge der derzeitigen Modernisierung und Erweiterung der Autobahn. Nachdem die alte Brücke abgebrochen worden war, entstand das neue Bauwerk zunächst unmittelbar neben seinem späteren Standort. Am Freitag, 18. September, war es schließlich so weit: Die neue Brücke machte sich auf den Weg an ihren endgültigen Platz. Zum Einsatz kam dafür ein sogenannter Self-Propelled-Modular-Transporter, kurz SPMT. Dabei handelt es sich um selbstfahrende Transportplattformen mit zahlreichen einzeln steuerbaren und höhenverstellbaren Achsen. Sie ermöglichen es, extrem schwere Bauteile langsam und sehr präzise zu bewegen.
Bereits tagsüber wurde das neue Brückenbauwerk auf diese Transportplattformen geladen. Nachdem die A70 für die Arbeiten vollständig gesperrt worden war, wurden zunächst die Betonschutzwände aus dem betroffenen Streckenbereich entfernt. Anschließend begann der eigentliche Transport. Vom Montageplatz aus bewegte sich das Bauwerk mit etwa drei bis vier Kilometern pro Stunde über die Autobahn zu seiner endgültigen Zielposition. Für diesen Weg benötigte der Schwertransport rund eineinhalb Stunden. Am Bestimmungsort angekommen, wurde die Brücke exakt ausgerichtet und zunächst auf vorbereiteten Behelfsauflagern abgesetzt. Anschließend wurden die endgültigen Lager einbetoniert.
Bewusst wurde darauf geachtet, die Brücke bereits vor dem Einheben möglichst fertigzustellen. Viele Arbeiten konnten schon unmittelbar am Montageplatz erledigt werden – das sparte Zeit. Nach wie vor fehlt jedoch noch die endgültige Asphaltdeckschicht, die nun in den weiteren Arbeitsschritten bis Anfang November aufgetragen wird. Verkehrsteilnehmer müssen sich deshalb auch weiterhin auf Einschränkungen einstellen. Immerhin: In Fahrtrichtung Schweinfurt ist das Auffahren auf die Autobahn an der Anschlussstelle Hallstadt Nord ab sofort wieder möglich.
Die blauen Achsen des SPMT ermöglichten den Transport des tonnenschweren Brückenbauwerks (Bild: Ingenieurbüro Hofmann Lichtenfels).
Millimeterarbeit auf der Autobahn
Auch wenn der Transport des Bauwerks auf den ersten Blick vor allem durch das enorme Gewicht der Brücke beeindruckt, lagen die besonderen Herausforderungen im Detail. Eine der anspruchsvollsten Stellen befand sich im Mittelstreifen der A70. Dort trafen unterschiedliche Gefälle aufeinander. Um das Objekt beim Überfahren möglichst waagerecht zu halten, mussten zahlreiche Achsen der Transportplattformen unterschiedliche Höhen einnehmen. Die Technik glich damit Unebenheiten und Neigungen des Untergrunds aus. So wurden Schiefstellungen vermieden.
Eine weitere wichtige Rolle spielte das Wetter. Während des Transports befand sich das Bauwerk rund fünf Meter über dem Asphalt. Aufgrund seiner Bauform bot es dem Wind eine entsprechend große Angriffsfläche. Für den Transport galten deshalb klare Grenzwerte für die zulässige Windgeschwindigkeit. Bei einer Überschreitung hätte das Einfahren aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden können. Die Voraussetzungen stimmten jedoch – und die Brücke konnte planmäßig an ihren vorgesehenen Standort gebracht werden.
Neue Brücke erfüllt heutige Anforderungen
Die neue Autobahnbrücke wurde entsprechend den heute geltenden Anforderungen und Belastungsannahmen geplant und dimensioniert. Ein wesentlicher Unterschied zum Vorgängerbauwerk ist die Konstruktion ohne Pfeiler im Mittelstreifen und unmittelbar an den Fahrbahnrändern der Autobahn. Dadurch entsteht unterhalb der Brücke mehr zusammenhängender Raum. Das erleichtert künftig eine flexible Verkehrsführung, beispielsweise bei späteren Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen an der A70.
Auch beim Lärmschutz bringt der Neubau Verbesserungen mit sich. Eine aufgesetzte Lärmschutzwand trägt dazu bei, die Lärmschutzanforderungen für die Anlieger vollends zu erfüllen. Für die Verkehrsteilnehmer auf der Brücke verbessert sich zudem die Übersicht im Bereich der Kreuzung an der Anschlussstelle. Und nicht zuletzt sticht auch die Gestaltung ins Auge: Die aus statischen Gründen erforderlichen Tragwerksteile wurden bewusst in das Erscheinungsbild der Brücke einbezogen. Damit soll sich der Neubau auch optisch deutlich vom bisherigen Bauwerk abheben.
Der spektakuläre Brückentransport lockte zu später Stunde zahlreiche Zuschauer an.
Großer Dank an alle Hallstadter
Einer der sichtbarsten und technisch anspruchsvollsten Schritte des Ersatzneubaus ist geschafft. Die Verantwortlichen nehmen diesen Meilenstein zum Anlass, sich ausdrücklich bei allen Hallstadtern für die Unterstützung und das Verständnis während der außergewöhnlichen Baumaßnahme zu bedanken.
„Wir möchten der Stadt Hallstadt und ihren Bürgern mitgeben, dass Sie großen Anteil daran tragen, dass sich dieses ambitionierte Projekt in diesem Status befindet. Es wurde jederzeit geholfen, dass Platzbedarf, teils bürgerunfreundliche Arbeitszeiten und Lärmbelästigungen in Kauf genommen wurden, um das Projekt und die Verantwortlichen zu unterstützen. Das wissen wir sehr zu schätzen“, richtet Alexander Gebhart vom Ingenieurbüro Hofmann dankbare Worte an alle Betroffenen und Beteiligten.
Auch TV Oberfranken war beim spektakulären Brückeneinschub mit vor Ort und berichtete anschließend in einem Videobeitrag über das nächtliche Manöver auf der A70.