Spuren der Vergangenheit in fast 50 Metern Höhe

Ungewohnter Anblick mitten in Hallstadt: Der Turm der Pfarrkirche St. Kilian ist derzeit vollständig eingerüstet. Für umfangreiche Sanierungsarbeiten wurden die Zeiger der Kirchturmuhr und die Turmspitze samt dem goldenen Wetterhahn vorsorglich abmontiert. Dabei rückte auch eine Zeitkapsel in den Fokus, deren Inhalt spannende Einblicke in die Hallstadter Vergangenheit verspricht. Neu entdeckte Schäden könnten die Sanierung allerdings verzögern.

Ein Bild mit Seltenheitswert

Ein meterhohes Baugerüst umhüllt derzeit den Turm der Pfarrkirche St. Kilian. Zuletzt war das wohl bei einer Sanierung im Jahr 1963 der Fall. Davon zeugt zumindest eine Aufschrift auf einer Schieferplatte unmittelbar am Dachvorsprung des rund 50 Meter hohen Wahrzeichens. Und noch etwas ist ungewohnt: Wer derzeit in Richtung der Kirchturmuhr schaut, sucht vergeblich nach ihren großen Zeigern. Diese wurden nämlich für die Sanierungsarbeiten an allen vier Seiten abmontiert.

Anlass für die umfangreiche Restaurierung sind vor allem Schäden an der inneren Holzkonstruktion des Turmes. Aus diesem Grund ist ein Betreten des Treppenaufgangs schon seit vielen Jahren nicht mehr möglich. Das meterhohe Baugerüst ermöglicht es den Fachfirmen jedoch, auch schwer zugängliche Bereiche in luftiger Höhe zu erreichen und die vorhandenen Mängel professionell zu beseitigen. Im Zuge der Sanierung musste sogar die Kirchturmspitze samt des goldenen Wetterhahns demontiert werden. Damit rückte allerdings ein besonderes Stück Hallstadter Geschichte in den Mittelpunkt: die dort verwahrte Zeitkapsel.

Dass sich in der Turmspitze eine solche Kapsel befindet, war bereits im Vorfeld bekannt. Nicht aber, was sich in ihrem Inneren verbarg und aus welcher Zeit sie stammte. Zeitkapseln haben an historischen Gebäuden vielerorts eine lange Tradition. Frühere Generationen hinterlegten darin Dokumente, Münzen, Zeitungen oder persönliche Botschaften, um der Nachwelt einen Einblick in das Leben ihrer Zeit zu ermöglichen. Auf diese Weise entsteht immer wieder neu eine Verbindung zwischen Gestern und Heute.

Bürgermeister Thomas Söder, Kämmerer Markus Pflaum und Stadtrat Günter Hofmann begleiteten den Wetterhahn mit dem Aufzug nach unten.

Historisches Päckchen entdeckt

Rund 50 Zentimeter Durchmesser misst die dunkle Kupferkugel, die Mitte Oktober vorübergehend von der Kirchturmspitze geholt wurde. Im Beisein von Bürgermeister Thomas Söder wurde sie vorsichtig geöffnet und gab den Blick auf ihren lange verborgenen Inhalt frei. Zum Vorschein kam eine stark verrostete Metallschatulle, in deren Inneren sich ein goldbraunes Papierpäckchen befand, das handgeschriebene Dokumente beinhaltete. Außen angebrachte Stempel ließen auf das Kalenderjahr 1911 schließen.

Damit hatte der Fund bereits ein erstes Geheimnis gelüftet: Schon seit mehr als einem Jahrhundert haben die historischen Zeugnisse hoch oben über den Dächern von Hallstadt zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen und geschichtliche Umbrüche überdauert. Als die Kapsel verschlossen wurde, regierte noch Kaiser Wilhelm II im Deutschen Kaiserreich.

Welche Botschaften sich genau im Päckchen verbergen, soll nun eine eingehende Untersuchung zeigen. Aufgrund ihres historischen Wertes wurden die Fundstücke zunächst sicher verwahrt. In den kommenden Wochen sollen sie gemeinsam mit einem sachverständigen Archivar des Staatsarchivs Bamberg genauer untersucht werden. Von den Erkenntnissen, die die Zeitkapsel über das Hallstadt von damals preisgibt, berichten wir ausführlich in der Dezember-Ausgabe des Amtsblattes.

Im Inneren der Zeitkapsel von St. Kilian befanden sich mehrere historische Dokumente.

Abschluss der Arbeiten vor Weihnachten unwahrscheinlich

Die Demontage des Wetterhahns und der Zeitkapsel brachte neben Relikten aus der Kaiserzeit noch eine weitere Erkenntnis ans Licht, die durchaus Einfluss auf den Zeitplan der Sanierung haben könnte. Denn neben den bereits bekannten Schäden im Inneren des Kirchturms wurden nun auch erhebliche Beschädigungen an der Turmspitze selbst festgestellt. Damit dürfte der ursprünglich angestrebte Abschluss der Arbeiten bis Weihnachten kaum einzuhalten sein. Stattdessen ist davon auszugehen, dass sich die Restaurierung bis ins Jahr 2027 hinziehen wird. Bis der Kirchturm wieder in seiner vertrauten Gestalt über die Dächer Hallstadts ragt, ist daher noch etwas Geduld gefragt.

Bis zur nächsten Sanierung des Kirchturms dürften dann wieder einige Jahrzehnte vergehen. Aber auch für künftige Generationen wird die Zeitkapsel einiges zu erzählen haben, denn im Zuge der aktuellen Arbeiten sollen ihr weitere Dokumente aus dem Jahr 2026 beigefügt werden. Was für uns heute noch selbstverständlicher Alltag ist, wird dann längst ein Stück Hallstadter Geschichte sein und den Menschen von morgen einen spannenden Einblick in das Leben unserer Zeit gewähren.

Dieses historische Foto der Hans-Schüller-Schule zeigt im Hintergrund den eingerüsteten Kirchturm bei der vermutlich letzten großen Sanierung von St. Kilian in den 1960er-Jahren.